Themenwoche 2

Künstliche Intelligenz, Wissenserwerb und -transfer

Wissen sichern – Wandel gestalten


Einführung zur zweiten Themenwoche – Nebenforderungen des DBV am Rande der Gehaltsrunde 2026


Was verändert künstliche Intelligenz in Banken wirklich? Wo entsteht messbare Entlastung, wo verdichtet sich Arbeit und wie bleibt Erfahrung verfügbar? In der zweiten Themenwoche erläutert der DBV seine Forderungen zu Altersteilzeit, KI-Entlastungstagen und Qualifizierung.

Die erste öffentliche Reaktion des Arbeitgeberverbands kam schnell. Bevor der AGV Banken den inzwischen ausgearbeiteten Prüfweg zu Auslösern, Art, Umfang und betrieblicher Ausgestaltung kannte, stellte er die KI-Entlastungstage als zusätzliche Verteuerung der Arbeit dar. Carsten Rogge-Strang erklärte gegenüber Bloomberg: „Das würde nur den Kostendruck erhöhen und ginge zulasten weiterer Arbeitsplätze.“
Quelle: Bloomberg, wiedergegeben bei Yahoo Finance, 25. August 2026

„Die schnelle Ablehnung hat mich erstaunt. Zu diesem Zeitpunkt kannte der AGV weder unsere vorgesehenen Auslöser noch die Kriterien zur betrieblichen Bewertung. Aus einer ungewöhnlichen Forderung wurde vorschnell ein pauschaler Anspruch auf freie Tage gemacht. Unser Modell setzt genau dort an, wo KI und Automatisierung die Arbeit tatsächlich verändern.“

Wolfgang Ermann, DBV-Verhandlungsführer Private Banken

Die KI-Entlastungstage lösten in der Presse eine ungewöhnlich große Resonanz aus. Fachmedien griffen die Frage auf, ob wegfallende Routinetätigkeiten den Arbeitstag tatsächlich leichter machen. Arbeitspsychologinnen beschrieben einen dichteren Arbeitsmix, mehr Entscheidungen und zusätzlichen Kontrollaufwand. Diese Debatte zeigt: Die Forderung trifft einen Punkt, den viele Betriebe bislang nur unvollständig erfassen.

In unserer zweiten Themenwoche legen wir die Herleitung und die betrieblichen Kriterien offen und wir zeigen auf, auf welche Dimensionen unsere Forderungen einzahlen:
– Qualifizieren, bevor neue Systeme die Tätigkeit prägen
– Belastungen bewerten und betrieblich ausgleichen
– Wissen während der Transformationsphase länger im Betrieb halten

Einladung zum 2. Open Forum – mit dem DBV im Gespräch

Donnerstag, 1. Oktober 2026, 13:00 bis 14:00 Uhr


Wolfgang Ermann, DBV-Verhandlungsführer Private Banken, schildert hier, warum KI eine stark durchwachsene Wirkung in der Praxis der Bankbetriebe bewirkt, und wie wir das tariflich beantworten wollen. Nicht nur für den KI-Einsatz: Qualifizierung ist DIE zentrale Aufgabe für Banken, die eine tragfähige Zukunft aufbauen wollen – was mehr als klassische, fixe Fortbildung sein muss. Und nicht zuletzt muss die Altersteilzeit als wirksames Mittel des Generationenwechsels gestärkt werden. Dieses zweite Open Forum am 1. Oktober richtet sich erneut an DBV-Mitglieder, Beschäftigte, Interessierte sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter.
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Drei Forderungen, weil Transformation mehr als EINE Antwort braucht


Der DBV steht technischen Veränderungen offen gegenüber. KI kann große Datenmengen auswerten, Dokumente vorprüfen, Recherchen beschleunigen und standardisierte Vorgänge übernehmen. Sie kann Beschäftigte bei Betrugsprävention, Kundenanfragen und komplexen Entscheidungen unterstützen. Dieser Produktivitätsgewinn ist real und gehört zum wirtschaftlichen Potenzial der Branche.

Mit dem Produktivitätsgewinn verändert sich zugleich der Arbeitsmix. Einfache Fälle werden häufiger automatisiert bearbeitet. Bei den Beschäftigten bleiben Ausnahmefälle, Beschwerden, Plausibilisierung, Dokumentation und die Kontrolle algorithmischer Ergebnisse. Auch die Verantwortung für den Prozess bleibt im Betrieb. BaFin verlangt nachvollziehbare und überprüfbare Ergebnisse sowie eine angemessene Einbindung der Menschen, die mit den Verfahren arbeiten.

Daraus folgen drei Aufgaben. Beschäftigte brauchen die erforderlichen Kompetenzen vor dem produktiven Einsatz neuer Systeme. Betriebe brauchen einen Weg, zusätzliche Belastung während der Umstellung zu erkennen und auszugleichen. Die Branche braucht außerdem planbare Übergänge, damit Erfahrung verfügbar bleibt, während Tätigkeiten, Teams und Personalbedarf neu geordnet werden.

KI-Entlastungstage, weil die Wirkung im Betrieb entscheidet


Die Forderung richtet sich gezielt auf Bereiche mit nachvollziehbarer Veränderung. Eine tarifliche Regelung soll den Auftrag für eine gemeinsame betriebliche Bewertung geben. Arbeitgeber und Interessenvertretung prüfen, welche Veränderungen im jeweiligen Bereich eintreten und welche Lösung dazu passt.

Automatisierung verkürzt einzelne Prozessschritte und erhöht die mögliche Fallzahl. Genau daraus kann eine neue Belastung entstehen. Beschäftigte bearbeiten in derselben Zeit mehr Vorgänge, prüfen Ergebnisse, korrigieren Fehler und koordinieren Schnittstellen. Während der Einführung laufen alte und neue Verfahren häufig parallel. Die versprochene Entlastung erreicht den Arbeitsplatz dann später als die neue Arbeitsmenge.

Der AGV Banken verweist auf Befragungen, nach denen viele Beschäftigte KI als Unterstützung und Aufwertung erleben. Das begrüßen wir. Eine allgemeine Zufriedenheitsfrage beantwortet zugleich nur einen Teil der betrieblichen Wirklichkeit. Entscheidend bleibt, wie sich Fallzahlen, Fehlerbearbeitung, Kontrolle und Verantwortung in einem konkreten Bereich entwickeln. Genau diese Ebene bildet unser Prüfmodell ab:

Ein unmittelbarer Auslöser kann eine Betriebsänderung sein, bei der KI oder Automatisierung Abläufe, Fallzahlen oder Kontrollaufgaben wesentlich verändert. Mittelbare Auslöser können sich aus Gefährdungsbeurteilungen, Begehungen, Erkenntnissen aus dem betrieblichen Eingliederungsmanagement oder Überlastungsanzeigen ergeben. Gerade diese mittelbaren Wirkungen bleiben in klassischen Produktivitätsrechnungen häufig unsichtbar.

Für einen Anspruch sprechen insbesondere höhere Arbeitsmengen, komplexere Vorgänge, zusätzliche Verantwortung oder breitere Prozesskenntnisse, wenn das Rollenprofil und die Vergütung zugleich unverändert bleiben. Eine höherwertige Einstufung kann dagegen bereits einen angemessenen Ausgleich schaffen. Auch ein Interessenausgleich kann für einzelne Rollen zu einem anderen Ergebnis kommen. Ein Prüfweg kann damit Indizien für und gegen Entlastungstage definieren.

Art und Umfang sollten eine Betriebsvereinbarung regeln. Unser Arbeitsmodell sieht je nach Schwere der Belastung eine begrenzte Zahl freier Tage innerhalb eines Quartals vor. Die zeitnahe Nutzung verbindet Regeneration mit dem Zeitraum, in dem die zusätzliche Belastung tatsächlich entsteht. Teilzeitbeschäftigte werden angemessen einbezogen, und betriebliche Abläufe bleiben über die vorhandenen Regeln zur Freizeitnahme planbar.

„KI-Entlastungstage sind ein betriebliches Instrument. Zuerst wird die Wirkung festgestellt, dann folgt die passende Lösung. Wo Technik echte Entlastung schafft und Rollen angemessen bewertet werden, trägt auch das Ergebnis dieser Prüfung. Wo Arbeit dichter, komplexer oder verantwortungsvoller wird, braucht der Betrieb einen Ausgleich.“

Wolfgang Ermann, DBV-Verhandlungsführer Private Banken

Die öffentliche Fachdiskussion ergänzt dieses Bild. Arbeitspsychologinnen weisen darauf hin, dass kognitive Erholung auch durch einfache Routinetätigkeiten entsteht. Fallen diese Tätigkeiten weg, besteht der Arbeitstag häufiger aus Entscheidungen, Kontrolle und anspruchsvollen Ausnahmefällen. Die Produktivität kann steigen, während die Beanspruchung ebenfalls zunimmt. Ein verantwortlicher Technologieeinsatz betrachtet beide Wirkungen.

Persönliche Unterstützung bleibt, weil Digitalisierung Grenzen hat

Die Wirkung der Automatisierung endet selten an der Prozessgrenze. Was im System als digitaler Standardfall erscheint, kann in Filiale und Kundenservice zusätzlichen Aufwand erzeugen. Beschäftigte richten Apps und Freigabeverfahren ein, lösen gesperrte Zugänge, erklären Fehlermeldungen und begleiten Kundinnen und Kunden bei Sicherheitswarnungen oder Betrugsversuchen.

Aktuelle Daten zeigen die Größenordnung. Mehr als zwei Drittel der 16- bis 74-Jährigen in Deutschland nutzen Onlinebanking. Bei den 65- bis 74-Jährigen nutzt nur die Hälfte Onlinebanking. Damit bleibt in den höheren Altersgruppen ein erheblicher Bedarf an persönlich erreichbaren Zugangswegen.

Die Demografie verstärkt diesen Befund. Viele ältere Menschen nutzen digitale Angebote souverän. Gleichzeitig wachsen in absoluten Zahlen die Gruppen, die wegen gesundheitlicher, kognitiver oder sprachlicher Hürden persönliche Unterstützung benötigen.

Hier ist dauerhaft ein gesellschaftlich verantwortungsvoller Umgang erforderlich, auch bei der Bereitstellung von Bankendienstleistungen offline:

„Jede technische Hürde, bei der Kundinnen und Kunden Hilfe benötigen, landet als konkrete Aufgabe in Filialen oder telefonischem Kundenservice. Wer aus finanziellem Kalkül diese Arbeit aus der Personalrechnung heraus rechnet, verschließt die Augen vor diesem gesellschaftlichen Problem. Unsere Bankbeschäftigten an der Kundenfront lösen sie trotzdem, aber leider unter wachsendem Druck.“

Wolfgang Ermann, DBV-Verhandlungsführer Private Banken

Altersteilzeit und Wissenstransfer, weil Umsetzung Erfahrung braucht


Die privaten Banken bauen seit Jahrzehnten Beschäftigung ab. In vielen Häusern trifft ein älterer Personalkörper auf fortschreitende Automatisierung. Nach DBV-Annahmen verlassen viele Beschäftigte die Unternehmen entweder zum frühestmöglichen Rentenbeginn mit Abschlägen oder wenig später über die derzeit geltende abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Nur ein geringer Anteil arbeitet bis zur Regelaltersgrenze weiter. Bestätigt sich diese Annahme, erwarten wir in den nächsten Jahren Austrittswellen, die schneller verlaufen, als betriebliche Umorganisation und unternehmenseigener technologischer Fortschritt sie auffangen könnten.

Gegenläufig dazu richtet sich die politische Diskussion auf einen späteren Renteneintritt und die Abschaffung der abschlagsfreien Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Gerade deshalb sind die Tarifparteien aufgefordert, ein alternsgerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen.

Der DBV möchte gemeinsam mit dem AGV ein Anreizmodell entwickeln, das Beschäftigte dazu animiert, länger im Betrieb zu arbeiten, und damit die Voraussetzungen schafft, den Personalkörper in Bereichen zu stabilisieren, in denen dies erforderlich ist.

Die Altersteilzeit im Gleichverteilungsmodell in Verbindung mit einer monatlichen Wissenstransferprämie von 1.500 Euro schafft einen verlässlichen sozialen Ausgleich. Arbeitgeberaufwendungen zur Aufstockung von Entgelt und Rentenbeiträgen könnten darauf angerechnet werden. In jedem Fall soll das Modell auch bei einer sich verändernden Rechtslage planbar ausgestaltet bleiben.

„Der DBV steht für stabile Prozesse, Wissenstransfer und Beschäftigungsperspektiven. Altersteilzeit in Gleichverteilung hält Erfahrung länger im Betrieb und macht den demografischen Übergang planbarer. Davon profitieren Beschäftigte, Teams und Institute.“

Wolfgang Ermann, DBV-Verhandlungsführer Private Banken

Zuerst qualifizieren, dann einführen – weil Können von Lernen kommt


Der technologische Wandel verändert Tätigkeiten stärker als die Gesamtzahl der Arbeitsplätze. Eine Projektion von IAB, BIBB und GWS beschreibt für die kommenden Jahre einen breiten Umbau von Aufgaben und Kompetenzen in der Gesamtwirtschaft. Für Banken bedeutet das: Beschäftigte müssen Ergebnisse neuer Systeme prüfen, deren Grenzen verstehen und Entscheidungen gegenüber Kunden, Aufsicht und internen Kontrollfunktionen erklären können.

Die Forderung nach einem Recht auf Um- und Weiterqualifizierung knüpft an bestehende oder sich entwickelnde Regelungsansätze an. Einschlägige Vereinbarungen in Haustarifverträgen oder Entwürfe in anderen Tarifgebieten der Finanzwirtschaft können eine Grundlage sein.

Das inhaltliche Ziel: Die KI-Auswirkungen sollen frühzeitig in die Personalplanung aufgenommen, Qualifizierungsbedarfe vor wesentlichen Veränderungen identifiziert und Lernzeit innerhalb der Arbeitszeit organisiert werden.

„Technologieoffenheit zeigt sich in der Praxis. Beschäftigte brauchen die erforderlichen Kompetenzen, bevor ein neues System ihre tägliche Arbeit bestimmt. Der Arbeitgeber stellt dafür Zeit und Finanzierung bereit. So entstehen sichere Anwendung und nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit.“

Wolfgang Ermann, DBV-Verhandlungsführer Private Banken

Unsere Forderungen sind verhandelbar – ihr Erfordernis dagegen nicht

Diese drei Forderungen bilden ein zusammenhängendes Arbeitsprogramm. Qualifizierung bereitet Beschäftigte auf die neue Mensch-KI-Arbeit vor. Betriebliche Entlastung begleitet die Phase, in der Arbeitsmenge, Komplexität und Verantwortung neu verteilt werden. Altersteilzeit im Gleichverteilungsmodell hält Erfahrung während des Übergangs verfügbar.
Am 8. Oktober 2026 beginnt die erste Verhandlungsrunde mit dem AGV Banken. Unsere zweite Themenwoche legt offen, welche Beobachtungen, Daten und betrieblichen Zusammenhänge hinter den Forderungen stehen.
Melden Sie sich zum nächsten Open Forum an: Donnerstag, 1. Oktober 2026 – 13 bis 14 Uhr. Für Beschäftigte, Interessierte und Medienvertreter. Diskutieren Sie mit uns über die Inhalte dieser Themenwoche.

Registrierung für das Open Forum 1. Oktober hier…

Daten und Hintergründe

Weitere Grundlagen: DBV-Positionspapier Auswirkungen von KI auf Beschäftigte und Arbeitsplätze in Banken vom August 2025; AGV Banken Beschäftigtenbestand 2024 und Altersstruktur 2023; DBV-Modellrechnung zur Altersteilzeit; DBV-Forderungsschreiben vom 30. Juli 2026; Grundlagenvereinbarung KI für PCCS und Postbank vom 1. Juli 2026; Entwurf TV Transformation des AGV Versicherungen vom 27. August 2026.

Präsentation zur zweiten Themenwoche

Wissen sichern Wandel gestalten mit den Daten, Quellen und Arbeitsmodellen zu Altersteilzeit, KI-Entlastungstagen und Qualifizierung

Präsentation: Wissen sichern, Wandel gestalten…

Alles auf einen Blick

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