9,5 % mehr Gehalt für 24 Monate
weil das richtig ist

Was erwarten die Beschäftigten der privaten Banken? Wie haben sich Tarifentgelte und Preise entwickelt? Und wie passt die Forderung des DBV zur wirtschaftlichen Lage der Branche? Zum Auftakt unserer Themenwochen legen wir die Grundlagen unserer Forderung offen.
Der Deutsche Bankangestellten-Verband fordert für die Beschäftigten der privaten Banken eine Erhöhung der Tarifgehälter um 9,5 % bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Die Vergütungen der Auszubildenden und dual Studierenden sollen um 160 Euro monatlich steigen.
Die Forderung folgt einem klaren Maßstab. Ausgangspunkt sind die Erwartungen der Beschäftigten, die Entwicklung ihrer Kaufkraft und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der privaten Banken. Die Laufzeit bis 2028 gibt den Instituten zugleich Planungssicherheit.
„Eine überzeugende Tarifforderung beginnt für uns bei den Beschäftigten. Wir verbinden ihre Erwartungen mit der Kaufkraftentwicklung, der wirtschaftlichen Lage der Banken und einer verantwortbaren Laufzeit. So sind unsere 9,5 Prozent entstanden. Dieser transparente und verlässliche Kurs findet Zuspruch: Täglich treten Beschäftigte aus allen Bank-Tarifgebieten dem DBV bei, weil sie ihre Gehaltsinteressen nach klaren Maßstäben vertreten wissen wollen.“
Wolfgang Ermann – DBV-Verhandlungsführer Private Banken
Einladung zum 2. Open Forum zu KI und Qualifizierung
Donnerstag, 1. Oktober 2026, 13:00 bis 14:00 Uhr
Wolfgang Ermann, DBV-Verhandlungsführer Private Banken, schildert hier, warum KI eine stark durchwachsene Wirkung in der Praxis der Bankbetriebe bewirkt, und wie wir das tariflich beantworten wollen. Nicht nur für den KI-Einsatz: Qualifizierung ist DIE zentrale Aufgabe für Banken, die eine tragfähige Zukunft aufbauen wollen – was mehr als klassische, fixe Fortbildung sein muss. Und nicht zuletzt muss die Altersteilzeit als wirksames Mittel des Generationenwechsels gestärkt werden. Dieses zweite Open Forum am 1. Oktober richtet sich erneut an DBV-Mitglieder, Beschäftigte, Interessierte sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter.
Was die Beschäftigten für angemessen halten
Mehr als 2.000 Beschäftigte haben sich an unserer Tarifumfrage beteiligt. Für die vertiefte Auswertung haben wir insbesondere die Antworten derjenigen betrachtet, die nach eigener Angabe tarifbeschäftigt sind.
Das Ergebnis ist deutlich:
– 60,7 % der antwortenden Tarifbeschäftigten halten eine Gehaltserhöhung von mindestens 8 % für angemessen.
– 41,4 % sprechen sich für 10 % oder mehr aus.
– Lediglich 10,7 % sehen eine Erhöhung von höchstens 4 % als ausreichend an.
Auch bei der Frage nach einem angemessenen monatlichen Mindestbetrag zeigt sich eine klare Erwartung:
– 11,4 % nennen mindestens 200 Euro.
– 32,2 % nennen mindestens 300 Euro.
– 30,1 % nennen mindestens 400 Euro.
– 26,3 % nennen mehr als 400 Euro.
Damit halten 56,4 % der antwortenden Tarifbeschäftigten einen Mindestbetrag von wenigstens 400 Euro für angemessen.
Die Umfrage ist keine repräsentative Erhebung für sämtliche Beschäftigten der Branche. Sie gibt aber einen unmittelbaren Einblick in die Erwartungen der Menschen, die sich bewusst mit der bevorstehenden Tarifrunde auseinandergesetzt haben.
Bemerkenswert ist auch die Nutzung der freiwilligen Freitextfrage: 45,9 % der Teilnehmenden erläuterten ihre Erwartungen und Erfahrungen in eigenen Worten. Viele Antworten waren ausführlich und bezogen sich konkret auf Arbeitsbedingungen und Entwicklungen in den Bankhäusern.
„Die Gehaltssteigerung ist der absolut wichtigste Bereich.“
„Ordentliche Tariferhöhungen, da in den letzten Jahren die Erhöhungen niedriger waren als die Inflation. Das heißt, wir verdienen real weniger, obwohl wir steigende Kompetenzen haben.“
„Gegenüber anderen Branchen liegen die Ergebnisse häufig gerade mal auf Höhe der aktuellen Inflationsrate. Auf der anderen Seite steigen die Anforderungen qualitativ und quantitativ erheblich an.“
Diese Stimmen ersetzen keine wirtschaftliche Analyse. Sie zeigen, was die Entwicklung von Gehältern und Preisen im Arbeitsalltag der Beschäftigten bedeutet.
Tarifentgelt Kaufkraft und Zukunft
Zwischen 2019 und 2025 sind die Tarifentgelte im privaten Bankgewerbe nach unserer Berechnung kumuliert um 18,8 % gestiegen. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im selben Zeitraum um rund 21,9 %. Damit blieb die Entwicklung der Banken-Tarifentgelte hinter der allgemeinen Preisentwicklung zurück.
Auch gegenüber der allgemeinen Entwicklung der Nominallöhne haben die Tarifentgelte der privaten Banken an Boden verloren. Die Beschäftigten haben damit sowohl bei der Kaufkraft als auch im Vergleich zur Lohnentwicklung insgesamt Nachholbedarf.
Die im Juli 2026 wirksam gewordene Tarifanpassung schließt diese Lücke nicht. Bereits im August lag die Inflationsrate wieder über der jüngsten Tariferhöhung; besonders die Energiekosten stiegen deutlich. Ein Abschluss mit einer Laufzeit bis 2028 muss deshalb auch die weitere Preisentwicklung während der gesamten Laufzeit berücksichtigen.
Das Bild des durchweg hoch bezahlten „Bankers“ hilft bei der Einordnung wenig. Die große Mehrheit der Tarifbeschäftigten bewegt sich auch nach langjähriger Tätigkeit in Gehaltsgrößenordnungen, die mit vielen anderen qualifizierten Beschäftigtengruppen vergleichbar sind. Sie trägt dieselben Kosten für Wohnen, Energie, Mobilität und den täglichen Lebensunterhalt.
Unsere Präsentation „DBV-Private-Banken-Gehaltsforderung-faktenbasiert“ zeigt die Entwicklung im Einzelnen, erläutert die Annahmen für die Jahre bis 2028 und nennt die verwendeten Quellen.
9,5 % für 24 Monate
Die Zahl 9,5 % muss gemeinsam mit der Laufzeit betrachtet werden. Über zwei Jahre verteilt entspricht sie rechnerisch einer jährlichen Größenordnung von rund 4,6 %. Die Laufzeit macht daraus einen planbaren Zweijahresabschluss bis 2028.
Unsere Forderung verbindet vier Aufgaben:
– den entstandenen Rückstand bei Tarifentgelt und Kaufkraft aufzuholen,
– die erwartete Preisentwicklung während der Laufzeit abzubilden,
– die Beschäftigten angemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung der Banken zu beteiligen,
– den Instituten durch 24 Monate Laufzeit Planungssicherheit zu geben.
Unsere Gehaltsforderung von 160 Euro für Auszubildende und dual Studierende berücksichtigt, dass Nachwuchskräfte gestiegene Lebenshaltungskosten besonders unmittelbar spüren. Zugleich konkurrieren die Banken um qualifizierte junge Menschen. Eine attraktive Ausbildungsvergütung liegt deshalb auch im Interesse der Branche.
Wirtschaftliche Erholung und leistungsfähige Banken
Der Arbeitgeberverband hat die Forderung bereits vor Beginn der Verhandlungen als deutlich zu hoch zurückgewiesen. Carsten Rogge-Strang, Hauptgeschäftsführer des AGV Banken, erklärte gegenüber Bloomberg:
„In dieser tiefgreifenden Transformationsphase ist Kostendisziplin das oberste Gebot.“
Der AGV verweist auf politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, Konsolidierung, Rationalisierung und einen erwarteten Personalabbau. Diese Gesichtspunkte gehören in die Diskussion. Für die Tarifrunde ist zugleich das gesamte wirtschaftliche Bild maßgeblich. Private Banking Magazin, 25. August 2026
Für 2027 und 2028 rechnen die in unserer Präsentation ausgewerteten Prognosen mit einer Fortsetzung der Erholung in Deutschland. Steigende Auftragseingänge, öffentliche Investitionen und der wachsende Finanzierungsbedarf des Bundes setzen zusätzliche Impulse. Der höhere Bedarf an neuen Bundesmitteln kann zugleich das längerfristige Zinsumfeld stützen. Damit verbessern sich im Zeitraum des angestrebten Tarifabschlusses wichtige wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Die großen privaten Banken gehen aus einer Position wirtschaftlicher Stärke in diese Jahre. Deutsche Bank, Commerzbank und UniCredit Deutschland haben ihre Erträge und Ergebnisse 2025 gesteigert. Für die kommenden Geschäftsjahre verfolgen sie konkrete Ziele für weiteres Wachstum, höhere Renditen und Ausschüttungen. Die Präsentation stellt diese Ergebnisse und Ausblicke transparent gegenüber.
Zinsen wirken bei Banken sowohl auf Kosten als auch auf Erträge. Sie beeinflussen Margen, Kreditgeschäft und Anlageerträge unmittelbar. Die Wirkung unterscheidet sich nach Geschäftsmodell und Bilanzstruktur. Insgesamt treffen die erwartete wirtschaftliche Erholung, ein tragfähiges Zinsumfeld und ertragsstarke Institute mit klaren Wachstumszielen zusammen.
Faire Anpassung braucht klare Maßstäbe
Der AGV hat auch in früheren Tarifrunden Forderungen zunächst als „deutlich zu hoch“ bezeichnet und zugleich seine Bereitschaft zu „fairen Gehaltsanpassungen“ erklärt. 2024 verwies Carsten Rogge-Strang auf die schwache Konjunktur, große Marktunsicherheiten und damals erwartete sinkende Zinsen. Handelsblatt, 31. Mai 2024
Für den DBV beruht eine faire Anpassung auf überprüfbaren Maßstäben:
– der tatsächlichen Entwicklung der Tarifentgelte,
– der Preis- und Kaufkraftentwicklung bis zum Ende der Laufzeit,
– den Erwartungen der Beschäftigten,
– den Ergebnissen und Perspektiven der privaten Banken,
– einer Laufzeit, die beiden Seiten Planungssicherheit ermöglicht.
Verantwortliche Kostensteuerung berücksichtigt auch den Beitrag der Beschäftigten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwirtschaften die Ergebnisse der Banken, tragen die Veränderungen der Geschäftsmodelle mit und bewältigen steigende fachliche und regulatorische Anforderungen. Ihre Leistung gehört in die wirtschaftliche Rechnung und in einen fairen Tarifabschluss.
Die Beschäftigten geben den Auftrag
Die Tarifumfrage macht klar, dass eine spürbare Gehaltserhöhung für die Beschäftigten im Zentrum dieser Tarifrunde steht. Mit 9,5 % für 24 Monate hat der DBV diesen Auftrag in eine konkrete und verhandelbare Forderung übersetzt.
Die Forderung verbindet die Erwartungen der Beschäftigten mit der Kaufkraftentwicklung, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Branche und einer verlässlichen Laufzeit bis 2028. Gerade diese nachvollziehbare Herleitung prägt den Auftritt des DBV und überzeugt täglich neue Mitglieder aus allen Bank-Tarifgebieten.
Am 8. Oktober 2026 beginnt die erste Verhandlungsrunde mit dem AGV Banken. Bis dahin und während der weiteren Verhandlungen werden wir die Grundlagen unserer Forderungen Schritt für Schritt in weiteren Themenwochen offenlegen.
Eine fundierte Tarifdebatte braucht Zahlen, Zusammenhänge und die Perspektive derjenigen, um deren Arbeit und Einkommen es geht. Dafür steht der DBV.
9,5 % mehr Gehalt für 24 Monate – weil das richtig ist.
Die Daten und Hintergründe
Ergebnisse der Tarifumfrage 2026
Antwortverteilung, Erwartungen der Tarifbeschäftigten und Stimmen aus den Freitextfeldern.
Entgelt, Kaufkraft und wirtschaftliches Umfeld
Entwicklung der Tarifentgelte und Verbraucherpreise sowie aktuelle wirtschaftliche Kennzahlen und Ausblicke der privaten Banken.
Alles auf einen Blick
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